Führung heisst, Rollen klar zu machen. Für Struktur. Für Entlastung. Für Vertrauen.
Viele Konflikte im Team entstehen nicht aus schlechter Stimmung, sondern aus unklaren Rollen. Wer ist wofür zuständig. Wer entscheidet. Wer trägt welche Verantwortung. Führung bedeutet, diese Fragen nicht offen zu lassen. Passion Leader heisst, Klarheit zu schaffen, bevor Frust entsteht.
Warum Überlastung selten ein Mitarbeiterthema ist
Überlastung wird in vielen Unternehmen falsch gelesen. Wenn Menschen erschöpft sind, zu viele Aufgaben übernehmen oder permanent unter Druck stehen, wird schnell über Resilienz, Selbstmanagement oder Belastbarkeit gesprochen. Das greift zu kurz. In der Praxis ist Überlastung sehr oft kein individuelles Problem, sondern ein strukturelles. Und damit ein Führungs- und Organisationsthema.
Gerade in Schweizer KMUs entstehen Überlastungssituationen häufig dort, wo Rollen nicht sauber geklärt sind. Zuständigkeiten wachsen über Jahre organisch. Aufgaben werden übernommen, weil es gerade niemand sonst macht. Verantwortung wird delegiert, ohne Entscheidungsbefugnis oder ohne klare Prioritäten. Was gut gemeint ist, endet oft in dauerhafter Mehrarbeit.
Wenn alles wichtig ist, ist nichts klar
Viele Mitarbeitende arbeiten nicht zu viel, sondern zu diffus. Sie springen zwischen Aufgaben, reagieren auf Erwartungen aus verschiedenen Richtungen und versuchen, allen gerecht zu werden. Führungskräfte unterschätzen dabei, wie belastend diese Unklarheit ist. Menschen halten mehr aus, als man denkt. Aber sie halten Unsicherheit deutlich schlechter aus als Arbeit.
Rollenklärung bedeutet nicht, Arbeit wegzunehmen oder Leistung zu bremsen. Sie bedeutet, Verantwortung sauber zu definieren. Wer ist wofür zuständig. Wer entscheidet. Wo endet die Verantwortung. Und was gehört explizit nicht dazu. Erst diese Klarheit ermöglicht es Menschen, ihre Energie sinnvoll einzusetzen.
Führung heisst auch, Verantwortung zurückzunehmen
Ein häufiger Fehler in der Führung ist es, Verantwortung einfach laufen zu lassen. Mitarbeitende übernehmen immer mehr, oft aus Loyalität oder Pflichtgefühl. Führungskräfte werten das als Engagement. Bis es kippt. Passion Leader heisst hier, genau hinzuschauen und auch Verantwortung wieder zurückzunehmen, wenn sie falsch verteilt ist. Nicht alles, was jemand leistet, ist auch sinnvoll oder gesund.
Rollenklärung braucht Mut. Sie kann kurzfristig Reibung erzeugen, weil Erwartungen neu verhandelt werden. Langfristig schafft sie Entlastung, Vertrauen und Stabilität. Für Teams. Und für Führungskräfte selbst.
Struktur ist kein Selbstzweck
Rollen, Stellenbeschriebe und Zuständigkeiten sind kein bürokratischer Luxus. Sie sind Führungsinstrumente. Sie schützen Menschen vor Überforderung und Unternehmen vor schleichendem Leistungsabbau. In der Passion-Leader-Haltung wird Struktur nicht als Kontrolle verstanden, sondern als Voraussetzung für Menschlichkeit.
Wer Überlastung ernst nimmt, spricht nicht zuerst über Belastbarkeit, sondern über Verantwortung. Und genau dort beginnt wirksame Führung.
Einordnung und Grenzen
Dieser Text ersetzt keine individuelle Analyse. Überlastung kann auch private oder gesundheitliche Ursachen haben. In der Praxis zeigt sich jedoch immer wieder, dass saubere Rollenklärung ein zentraler Hebel ist, den viele Unternehmen zu lange ignorieren.